Kein Beruf hängt so sehr an alten Überlieferungen, wie der des Bergmannes. Zu seiner Welt gehören die verschiedensten Bräuche, denen er mit besonderer Liebe zugetan ist. Ein solches Brauchtum ist der Ledersprung, der noch heute in ganz wenigen Städten vollzogen wird. Die tiefe Bedeutung liegt im Sprung über das Bergmannsleder, dem sogenannten Arschleder, in eine andere Welt, die voll Mühen und Gefahren eine andere Einstellung des Lebens erfordert. Das Leder, auf dem man in früheren Zeiten in die Tiefe der Erde rutschte, ist zum Sinnbild dieser Arbeitswelt geworden.
Der Sprung bedeutet Mut. Mit beiden Füßen zugleich springt man in den neuen, frei gewählten Beruf, der kein Stolpern verträgt, wohl aber rasche Entschlossenheit und Tatkraft verlangt.
So ist der Ledersprung heute in Leoben noch üblich, um die jungen Studenten feierlich in ihren neuen Stand aufzunehmen. Er stellt eine alte Bergmannssitte, nämlich einen Aufnahmeritus dar, der in der Mitte des 19. Jahrhunderts aus dem heute slowakischen Erzbergbaurevier von Schemnitz nach Leoben kam.
Der Ledersprung wird gegenwärtig so abgehalten, dass am Festtag, der nahe dem Barbaratag liegt, die neuaufzunehmenden Erstsemestrigen mit dem Bergkittel angetan antreten und nach Beantwortung mehrerer Fragen von einem kleinen Bierfass aus über das Arschleder springen. Dieses Leder wird vom Rektor der Montanuniversität und dem ältesten anwesenden Bergmann gehalten. Die Fragen lauten: Dein Name, Deine Heimat, Dein Stand, Dein Wahlspruch? Der Springer gibt die entsprechenden Antworten. Nach der Aufforderung: „Nun leere dein Glas und spring in deinen Stand und halt in stets in Ehren!“, leert er ein Glas Bier, das er in der rechten Hand hält und springt dann über das Arschleder. Damit ist der Eintritt in den jeweiligen Stand vollzogen und ein Treuegelöbnis dem erkorenen Beruf gegenüber in feierlicher Weise abgelegt.
Das Fest des Ledersprunges ist aber nicht nur bloß eine Aufnahmefeier der neuen Montanisten, sondern eine riesige Veranstaltung die ihresgleichen in Europa sucht.
In abwechselnder Reihenfolge, je nach ihrem Gründungsdatum, werden die Korporationen der Universität mit der Durchführung des Ledersprunges betraut. Die Erstinskribenten, die bei keiner Verbindung Mitglied sind, springen als Gäste bei einer der Korporationen mit.
Quelle: http://leder.burschenschaft.at/
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